Über mich

Ich bin Simon Seidler, regenerativer Grower aus Hannover. Damals in der Schule war Biologie das einzige Fach, zu dem ich mit Begeisterung hingegangen bin. Pflanzenphysiologie und Systemdenken prägen bis heute, wie ich über Anbau nachdenke.

Durch die Legalisierung in Deutschland habe ich mich erst mit der Cannabispflanze beschäftigt. Nach meinem ersten Grow war klar, dass ich weitermachen möchte, und zwar ehrenamtlich in einem Verein, um mehr Erfahrung zu sammeln. Dort habe ich mir die Frage gestellt, wie sich das, was wir in einem kleinen Indoor-Betrieb gerade erst aufbauen, auf einen Outdoor-Anbau überträgt, der seit Jahrzehnten läuft. Um das zu verstehen, bin ich für zwei Seasons nach Kalifornien gegangen, zu Sunrise Gardens im Emerald Triangle. Nicht um Techniken abzuschauen, sondern um zu sehen, wie jemand denkt, der seit dreißig Jahren anbaut.

Ausgewachsene Freilandpflanze in einem Reifenbeet

Gelernt habe ich dort alles rund um die Pflanze, von der morgendlichen Visite bis zur Ernte. Vor allem aber Geduld. Organisch gedüngt wirkt nichts sofort, wer ungeduldig nachlegt, macht es schlimmer.

Diesen Gedanken kannte ich schon aus dem Buddhismus: dass der Weg nicht an einem der Extreme liegt, sondern im Gleichgewicht dazwischen. Balance ist das Stichwort. Im Anbau ist das sehr konkret. Zu viel Wasser, zu wenig Wasser. Zu viel Stickstoff, zu wenig. Eingreifen, wenn man hätte warten sollen. Es gibt selten eine richtige Menge, es gibt einen Bereich, und den zu finden ist die Arbeit. Deshalb fange ich morgens mit Schauen an, bevor ich etwas tue. Nicht kontrollieren, sondern verstehen. Ich möchte die Pflanze unterstützen, nicht Gott spielen.

Vor einem Redwood im Wald Nordkaliforniens

Praktisch arbeite ich mit Living Soil, also einem Boden, der über mehrere Zyklen aufgebaut und nicht nach jeder Ernte ersetzt wird. Die Inputs stelle ich weitgehend selbst her, meist nach JADAM, einer koreanischen Methode von Youngsang Cho. Der Grundgedanke: Was eine Pflanze braucht, lässt sich aus dem herstellen, was vor Ort ohnehin wächst. Indigene Mikroorganismen sammle ich im Wald, statt sie in Flaschen zu kaufen. Pflanzenfermente entstehen aus Brennnessel oder dem, was gerade anfällt.

Auf den meisten Farmen, auf denen ich war, leben Tiere. Hunde, Enten, Hühner, Gänse. Das ist kein Beiwerk, sondern Teil des Systems: Sie fressen Schädlinge, halten den Boden in Bewegung und bringen ein, was sonst zugekauft werden müsste. Und sie verändern die Stimmung auf einer Farm. Ein Ort, an dem Tiere leben, arbeitet anders als eine reine Produktionsfläche.

Simon Seidler mit einer Ente auf dem Farmgelände

Worauf ich hinarbeite, ist einfach: dass mehr Leute regenerativ anbauen. Nicht weil es die reinere Methode ist, sondern weil sie ohne Zufuhr von außen weiterläuft. Wir sind der einzige Organismus, der seine Umwelt bewusst zerstört. Also auch der einzige, der sich bewusst dagegen entscheiden kann.

Nahaufnahme einer reifenden Blüte