Deutscher Regenerativer Grower

Pflanzen kennen ihr Gleichgewicht. Meine Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen.

Simon Seidler auf einer Leiter neben fünf Meter hohen Pflanzen

Zwei Seasons bei Sunrise Gardens im kalifornischen Emerald Triangle, heute Senior Grower in einer deutschen Anbauvereinigung. Dazwischen ein Dutzend Farmen, jede mit ihrer eigenen Kultur und Arbeitsweise.

Auf dieser Seite dokumentiere ich, was dabei hängen bleibt. Keine Anleitungen, sondern Beobachtungen: welche Systeme funktionieren, warum sie an einem Ort funktionieren und an einem anderen nicht, und was die Leute machen, die damit seit Jahrzehnten arbeiten.

Warum der Standort im Ergebnis sichtbar wird

Für meine Philosophie gibt es einen Begriff aus dem Weinbau: Terroir. Er beschreibt, dass ein bestimmter Ort eine Signatur im Produkt hinterlässt, die sich anderswo nicht kopieren lässt. Gleiche Sorte, anderer Hang, anderes Ergebnis.

Das gilt nicht nur für Wein, sondern für alle Pflanzen. Bodenbiologie beeinflusst, welche Nährstoffe eine Pflanze überhaupt aufnehmen kann. Mikrobielle Aktivität verändert, wie sie mit Stress umgeht. Der Rhythmus aus Nebel, Hitze und kalten Nächten verschiebt die Bildung von Sekundärmetaboliten. Dieselbe Genetik ergibt an zwei Orten messbar unterschiedliche Ergebnisse.

Boden ist kein Substrat, sondern ein Gedächtnis.

Was sich davon messen lässt, habe ich hier zusammengetragen: Sun-Grown Cannabis Terroir auf Research Gardens

Regenerativ heißt, mit dem zu arbeiten, was an deinem Standort bereits seit Jahrzehnten da ist

Das ist kein Purismus, es ist der Unterschied zwischen einem System, das sich selbst ernährt, und einem, das an einer globalen Lieferkette hängt. Wer Mikroben in Flaschen bestellt und Mineralien um die halbe Welt verschiffen lässt, kann organisch arbeiten, aber nicht regenerativ. Ein regeneratives System muss ohne diese Zufuhr weiterlaufen können. Ein Betrieb kann hundertprozentig organisch zertifiziert sein und trotzdem jede Saison bei null anfangen. Die Zutatenliste stimmt, das Systemverhalten bleibt dasselbe.

Daraus folgt etwas, das die Methode allein nicht hergibt: Jeder Standort hat eine andere Umwelt, und die Pflanzen, mit denen dort gearbeitet wird, sind dort heimisch. Ein Farmer in Asien arbeitet mit Bambus, einer in Nordkalifornien mit Bay Laurel, einer in Deutschland mit Brennnessel. Diese Pflanzen wachsen nicht zufällig dort, sie stehen in einer Beziehung zu diesem Boden und diesem Klima, die kein zugekauftes Produkt mitbringt. Das sind also keine Varianten derselben Technik, das sind verschiedene Antworten auf dieselbe Frage.

Deshalb reise ich. Nicht um Methoden mitzubringen, sondern um zu verstehen, welche Antwort ein Mensch an seinem Ort gefunden hat.

Reifende Blüte einer Tropcherry bei Sunrise Gardens

Der nächste Ort, den ich verstehen will

Im Oktober und November 2026 bin ich für die Nepal Heritage Landrace Expedition unterwegs. Vier Wochen durch verschiedene Regionen, teils in Täler im Westen des Landes, für die es online kaum brauchbares Kartenmaterial gibt.

Dokumentiert werden traditionelle Cannabis-Populationen, Charas-Kultur und die Gemeinschaften, die beides seit Generationen tragen. Ein Kamerateam kommt mit. Manches lässt sich nicht aufschreiben, man muss es zeigen.

Über mich

Vom Biologieunterricht über Kalifornien zurück nach Hannover.

Farmhistorie

Die Farmen, Menschen und Systeme, bei denen ich gelernt habe.

Veröffentlichungen

Artikel und Interviews zu Terroir, Boden und regenerativem Anbau.